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December 4, 2010

Cablegate / Wikileaks / Assange

Filed under: Unauthorized — atari @ 14:05
Cablegate / Wikileaks / Assange

Mittlerweile wird es sehr merkwürdig, was die ganze Geschichte um Wikileaks, Cablegate und den Personenkult um Assange angeht. Wirklich spektakulär werden die nun geleakten Informationen aus den US-Botschaftsdepeschen nur von einigen eingeschätzt, dazu zählen sicherlich die Medien, welche mit der Veröffentlichung Aufmerksamkeit für ihre eigenen Angebote generieren. Zumal momentan nur ein Bruchteil, im Promille-Bereich, der ausgetretenen Informationen auch für die breite Öffentlichkeit verfügbar ist, kann man sich die Frage stellen, ob diese Inzenierung der Sache dienlich ist und die Allianz mit den etablierten Medien durch exklusiv Veröffentlichungsrechte dem ursprünglichen Ansatz von Wikileaks noch gerecht wird.
Publicity ist jedenfalls vorhanden, jedoch kanalisiert diese nicht immer in die richtige Richtung und läuft sternförmig von Cablegate in andere Bereiche. Einer dieser von den Medien gerne aufgegriffenen Aspekte ist mit Sicherheit die Person von Julian Assange, der da auch schonmal gerne als “Der meistgesuchte Mann des Planeten” betitelt wird. Auch hierbei vermischen sich private “Fehltritte” des prominenten “Kopfes” von Wikileaks mit den eigentlich relevanten, so fordern konservative “Denker” wie Tom Flanagan mittlerweile öffentlich im Fernsehen zur “Assassination” von Assange auf, und das nicht nur wie schon ohnehin gewohnt auf Fox. Die streitbare US-Politikerin Sarah Palin möchte die Köpfe von Wikileaks wie Terroristen jagen und ruft zum Cyberkrieg gegen die technische Infrastruktur der eigentlich mal als Enthüllungsplattform gedachten Kooperative auf. Dies tut sie in Web 2.0-Manier natürlich via Facebook, was vortrefflich dazu passt, dass Wikileaks auf der Webseite mittlerweile auch Trackingfunktionen des großen “sozialen Netzwerkes” nutzt, um eine größere Öffentlichkeit ansprechen zu können – Datenschutzaspekte werden hierbei anscheinend gerne über die nicht vorhandene Bordwand geworfen.
Der Nebenschauplatz in Schweden mit seiner undurchschaubaren Vergewaltigungsanklage steht dem Ganzen in nichts nach und was ich von diesem Thema halten soll, weiß ich auch nach der Lektüre dieser enthüllenden Seifenoper im “Daily Mail” nicht so richtig.* Auch Kommentare und Versuche der Aufklärung über das schwedische Rechtsverständnis, erhellen die Szenerie um den internationalen Haftbefehl nur dürftig, wobei ich das Verhalten von Assange weder sympathisch noch angemessen finde, fern ab, von eventuell strafrechtlich relevanten Fragen.
Für Aufmerksamkeit sorgt momentan auch die Bereitstellung der Daten aus technischer Sicht mit Bezug auf die Anbieter, so verbannte Amazon Wikileaks von ihren Servern, angeblich wegen “Rechteproblemen” und nicht aufgrund von politischem Druck. Auch bezüglich des DNS gibt es widersprüchliche Aussagen, angeblich wegen DDoS-Attacken auf die Infrastruktur des Anbieters everydns.net, stand Wikileaks ohne “Telefonbucheintrag” da, ob Cyberattacke oder Inszenierung, wer weiß…
Der französische Anbieter OVH, bei dem auch mein Server steht, prüft nun, nachdem Wikileaks bei ihnen Unterschlupf gefunden hat, ob sich das Hosten der Dokumente mit französischem Recht vereinbaren lässt. Zu einer Entscheidung ist hingegen der Anbieter tableau gekommen, welche Visualisierungen bezüglich der Dokumente angeboten haben. Viel Wind – leider nicht immer der wohlriechendste – es bleibt spannend, wie sich die Sache weiter entwickelt und welche Dynamik sie bekommen wird, wenn die interne Kommunikation einer US-Großbank publik gemacht worden ist. Was die technische Strategie angeht, sollte man vielleicht mehr auf p2p vertrauen, ein Torrent ist nur sehr schwer aus dem Netz zu tilgen, ein zentraler Server hingegen nicht – warum also nur bei der “history insurance“?

Update: Mittlerweile wurde das PayPal-Spendenkonto der Wau Holland Stiftung gesperrt – Spenden an Wikileaks via wauland.de sind nicht mehr möglich, auch nicht an die Wau Holland Stiftung selbst.

*Update²: Zu den Vorwürfen wegen sexueller Nötigung/Vergewaltigung, gibt es nun neue Details aus durchgesickerten Gerichtsakten – “10 days in Sweden: the full allegations against Julian Assange

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