hep-cat.de

September 18, 2009

BeOS-Nachfolger: Haiku R1/Alpha 1

Filed under: Unauthorized — atari @ 15:56
Haiku R1/Alpha 1

Haiku R1/Alpha 1

Das “Haiku Project” hat in dieser Woche das Erscheinen seiner ersten offiziellen Entwicklerversion verkündet. Das Betriebssystem wird unter einer MIT-Lizenz stehend verbreitet und ist kostenlos als ISO-Image, VMware-Abbild oder als RAW-Datei verfügbar, welche als Direktdownload oder via Torrent bezogen werden können. Die Installation selbst verläuft ohne Probleme und ergibt ein stabiles und vorallem schnelles System, das in wenigen Sekunden den Bootvorgang durchlaufen hat. Eine ausführliche und bebilderte Anleitung zur Installation von Haiku auf eine Festplatte ist im Internet hinterlegt worden. Der BeOS-Nachfolger bietet zahlreiche essentielle Programme und Tools für den Endanwender, liefert jedoch auch Entwicklungswerkzeuge wie die GNU Compiler Collection in der Version 2 (2.95.3-haiku-090629), Python 2.6.2 und perl v5.0.1 mit aus. Zusätzliche Software lässt sich über die Webseite haikuware.com beziehen, welche auch eine Kompatibilitätsliste für einzelne Bauteile und Komplettsysteme beherbergt (Haiku Hardware Database). Eine Minimalkonfiguration, welche nötig ist um Haiku sinnvoll zu betreiben, wird mit einer 400 MHz x86-CPU, 128 MByte RAM und rund einem GByte Platz auf der Festplatte angegeben. Extrem gewöhnungsbedürftig ist die Kommandozeile (Haiku shell), welche zwar eine Vielzahl an Befehlen der unixoiden Betriebssysteme kennt und eigentlich eine GNU bash aus dem Jahre 2002 in der Version 2.05b ist, aber in Darstellung und Handling kein noch so kleines Hochgefühl auslösen mag. Versuche die Version 4.0 der Bash zu kompilieren oder auch libevent für die weitere Verwendung in Tor zum Laufen zu bringen scheiterten in den Untiefen der Abhängigkeiten oder mangelnder Kenntnis der API. Zumindest die Bash in Version 3.2.48, welche auch auf Mac OS X 10.6 zum Einsatz kommt, lässt sich ohne größere Probleme kompilieren und installieren. Es finden sich zwar schon einige Portierungen verschiedenster Anwendungsgebiete als Binärpakete zum Download, leider ist die Vorgehensweise zum Erstellen dieser Binaries aus dem Quellcode nicht immer ausreichend über eine entsprechende BepFile dokumentiert und auch die notwendigen Patches sind nicht in allen Fällen vorhanden. Eine dubiose Version von Tor kann mittels dieser Anleitung zur Installation und eines merkwürdigen nicht dokumentierten Kompilats von libevent-1.4.11 erzeugt werden. Weitere Tipps zum Portieren von Software bietet die entsprechende Webseite PortingTips und Create the Patch. Die grundlegend notwendigen Schritte sind die Anpassung der Konfiguration zum erfolgreichen Ausführen von ./configure --prefix=/boot/common :

cp /boot/common/share/libtool/config/config.* ./

Und anschließend:

libtoolize --force --copy --install
aclocal
automake
autoconf

Zusätzliche Informationen und Aufgabenfelder sind im Haiku Development Tracker zu finden. Am nötigsten erscheint momentan das Erstellen der WiFi-Tools und Treiber um auf Note- und Netbooks vernünftig einsetzbar zu sein. Auch die Arbeit am Port für ARM-CPUs sollte mit erhöhter Priorität vorangetrieben werden, damit ein interessantes neues Marktsegment der zukünftig erscheinenden ARM-Netbooks frühzeitig abgedeckt ist. Zudem fehlt auch noch eine vernünftige Lösung für Flash-Inhalte, da diese bisher nur unzureichend unterstützt werden und Gnash größere Probleme zu bereiten scheint. Eine ausführliche englische Rezension zum Haiku R1/Alpha 1 ist auf osnews.com erschienen.

No Comments »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress